7 February, 2020

Schwedisches Unternehmen möchte deutsche Baustellen sicherer machen

MIPS möchte den Kopfschutz von Arbeitern verbessern und deutsche Baustellen so sich- erer machen. Das schwedische Unternehmen hat eine reibungsarme Schale entwickelt, die im Inneren eines Helms eingebaut wird. Sie kann Rotationsbewegungen durch schräge Einwirkungen auf den Kopf, beispielsweise
bei einem Sturz oder beim Aufprall eines Gegenstands auf den Kopf, reduzieren. Diese Rotationsbewegungen können das Gehirn verletzen. Das Hirnschutzsystem ist in Sporth- elmen bereits fest etabliert. 103 Helmmarken nutzen die patentierte Technologie in rund 580 Modellen, unter anderem in Ski-, Fahrrad-, Motorrad-, Kletter- und Reithelmen (Stand: 31.12.2019). Jetzt ist sie auch für Industri- eschutzhelme verfügbar.

Dass der Bedarf für Zusatzschutz groß ist, zeigt sich bei einem Blick in die Arbeitsun- fallstatistik der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV).1 2018 wurden der DGUV 786.803 Arbeitsunfälle angezeigt. Nach

Hand, Knie und Fuß steht der Kopf darin auf Platz vier der meistverletzten Körperteile. Ein besonderes Problem: Gehirnerschütterungen. Sie liegen bei fast 22.000 aller gemeldeten Unfälle vor. Kopfverletzungen sind zudem die Todesursache Nummer 1 bei Arbeitsunfällen. Besonders gefährdet für Unfälle sind Bauarbe- iter. Fast 15 Prozent aller gemeldeten Arbeit- sunfälle und sogar 31,9 Prozent der tödlichen Unfälle 2018 passierten auf Baustellen. Die große Mehrheit verletzte sich dort durch Auf- prall, Zusammenstoß oder Kontakt mit einem Gegenstand. Auch hier sind Kopfverletzungen ein großes Thema: Die BG BAU verzeichnete im Jahr 2017 fast 6.500 Arbeitsunfälle mit Kopfverletzungen und fordert sicherere Schutzhelme.2
MIPS hat eine reibungsarme Schale entwickelt. Sie reduziert Rotationsbewegungen, die sonst auf den Kopf übertragen würden, und kann Industrieschutzhelme so sicherer machen. „Aus unserer

Forschung wissen wir, dass unser Kopf bei einem Sturz in den meisten Fällen schräg auf den Boden aufschlägt. Gehirnerschütterun- gen sind typische Erscheinungen, die dabei auftreten können. Denn bei einem schrägen Aufprall kann es zu Rotationsbewegungen des Schädels kommen, bei denen das Hirngewebe reißen kann. Das Problem ist, dass herkömmli- che Industrieschutzhelme meist nur vor Verletzungen wie Schädelbrüchen schützen, aber Rotationsbewegungen nicht ausreichend reduzieren“, erklärt Max Strandwitz, CEO von MIPS. Unser Gehirn ist rund sechs bis sieben Mal anfälliger für Rotationsbewegungen als für lineare Einwirkungen.

Die MIPS-Schale sorgt im Inneren des Helms dafür, dass der Kopf im Helm 10-15 mm in jede Richtung gleiten kann. Das kann auf das Gehirn wirkende Rotationsbewegungen verringern, wie unabhängige Tests zeigen. Führende Sporthelmhersteller wie Bell, Giro, Head, Spe- cialized und Scott haben die Schale bereits in

ihre Helme eingebaut. „Letztes Jahr hat die schwedische Schutzhelmmarke Guardio den ersten Industrieschutzhelm (EN 397) mit MIPS auf den Markt gebracht. Aktuell führen wir auch Gespräche mit verschiedenen anderen europäischen Schutzhelmherstellern“, sagt Max Strandwitz.

Das börsennotierte Unternehmen, das von ei- nem Neurochirurgen und einem Wissenschaft- ler gegründet wurde, sieht großes Potenzial, die Bauindustrie ein Stück sicherer zu machen. „In unserer Freizeit, zum Beispiel beim Radfahren, Reiten oder Skifahren, legen wir unheimlich viel Wert auf sicheren Kopfschutz. Für Menschen, die aufgrund ihres Berufs ein hohes Risiko eingehen, sollte der bestmögliche Helm bei der Arbeit ebenfalls ein Muss sein. Der Schutz vor Rotationsbewegungen sollte
in Helmen genauso selbstverständlich sein wie Airbags und Sicherheitsgurte im Auto“, so Strandwitz weiter.

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