22 April, 2020

Teststandards für Industrie- schutzhelme reichen nicht aus

Mit den heutigen Standards für Industri- eschutzhelme (DIN EN 397) werden bei
Tests von Bauhelmen keine realitätsnahen Unfälle simuliert. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie von Karin Brolin, Ph.D., in Schweden in Zusammenarbeit mit MIPS, einem Unternehmen, das Hirnschutzsysteme für Helme anbietet. Momentan umfasst die Prüfnorm für Industrieschutzhelme nur einen linearen Aufprall. Dazu wird ein Gegenstand gerade auf die Mitte des Helms fallen gelas- sen. Internationale Studien zeigen dagegen, dass rund 50 Prozent aller Hirnverletzungen durch Stürze (aus der Höhe) entstehen. Dabei ist es wahrscheinlich, dass der Kopf schräg auf den Boden aufprallt. Welchen Schutz ein In- dustrieschutzhelm dabei bietet, wird mit den aktuellen Tests nicht ermittelt.

In der neuen Studie von Karin Brolin, Ph.D., haben schwedische Biomechaniker die Fragen aufgeworfen, ob und wie sich Hirnverletzun-

gen bei Baustellenunfällen reduzieren lassen. Die Basis der Studie waren internationale Unfallstatistiken. Die wichtigsten Ergebnisse: Bauarbeiter sind besonders gefährdet für Kop- fverletzungen. In Deutschland ist die Zahl der Hirnverletzungen in der Bauindustrie ungefähr doppelt so hoch im Vergleich zum gesamten Arbeitsmarkt und schwere sowie tödliche Hirnverletzungen treten in den meisten Fällen durch Stürze aus der Höhe auf.
Ein oft unterschätztes Risiko bei Unfällen durch Stürze sind sogenannte Rotationsbewegungen. Diese können bei schrägen Einwirkungen auf den Kopf auftreten ̶ bei einem Aufprall auf den Boden, aber auch bei einem Aufprall von herabfallenden Trümmern oder Werkzeugen. Dabei kann das Hirngewebe reißen. Verletzu- ngen wie Gehirnerschütterungen, Blutungen zwischen Hirnhaut und Gehirn und Schädigun- gen von Nervenzellen im Gehirn können die Folge sein.

Dennoch gibt es in Europa keinen Teststandard für Industrieschutzhelme, der ein Element zum Testen dieser Rotationsbewegungen enthält. Heutzutage setzt der Prüfingenieur den Helm lediglich auf eine Kopfform und lässt ein fünf Kilogramm schweres, rundes Metallobjekt sow- ie ein drei Kilogramm schweres, scharfkantiges Objekt aus einem Meter Höhe auf den Helm fallen. Ein schräger

Aufprall oder ein Sturz aus der Höhe werden nicht simuliert. „Wir sollten kritisch hinterfra- gen, wie Teststandards heutzutage gestaltet werden und sie an den aktuellen akademischen Wissensstand anpassen. Wichtig wäre es, Baustellenunfälle zu analysieren und die Stand- ards künftig verstärkt auf Unfallstatistiken und wissenschaftlichen Erkenntnissen aufzubauen“, sagt Karin Brolin, Ph.D. Bei anderen Helmarten, wie etwa Ski-, Fahrrad- und Motorradhelmen, basieren die Helmtests schon heute auf Daten aus dem wirklichen Leben. Hier liegen detailli- erte Unfallberichte und -analysen zugrunde. Die gibt es bei Baustellenunfällen nur selten, und selbst wenn es sie gibt, werden sie aktuell nicht in Testverfahren berücksichtigt.
Im Testlabor von MIPS in Schweden wird bei allen Helmtests bereits ein schräger Aufprall aus der Höhe simuliert und mit einem Comput-

ermodell des menschlichen Kopfes analysiert. Zusammen mit dem Unternehmen unter- suchten die Wissenschaftler jetzt, wie sich Rotationsbewegungen bei Baustellenunfällen reduzieren lassen und welche Auswirkungen das auf Hirnverletzungen haben könnte.

Dazu simulierten sie typische Arbeitsunfälle im Bausektor und nutzten das MIPS-Hirn- schutzsystem, das, im Inneren von Helmen eingebaut, Rotationsbewegungen reduzieren kann. Ihre Auswertungen zeigen, dass Helme mit dem Hirnschutzsystem von MIPS die auf das Gehirn wirkende Winkelgeschwindigkeit und Winkelbeschleunigung (d. h. die Rota- tionsbewegungen) sowie die Belastung des Gehirns verringern.

„Wir müssen alles in unserer Macht Stehende dafür tun, Hirnverletzungen bei Arbeitsunfällen vorzubeugen. Ein erster wichtiger Schritt wäre, Industrieschutzhelme in Szenarien zu testen, die realitätsnahen Unfällen entsprechen. Dazu sollte man ein Element zum Prüfen der Ro- tationsbewegungen in die Tests aufnehmen. Diese Änderung des Prüfprotokolls würde die Realität besser abbilden“, ergänzt Max Strand- witz, CEO von MIPS.

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